Biographische Daten

geboren 1962 in Berlin Friedrichshain

Beruf / Studienabschlüsse:
Baufacharbeiter, Philosophiediplom,
Diplom als Sozialarbeiter / Sozialpädagoge

Geschäftsführer der Ostkreuz Jugendhilfe Nord GmbH

 

 

Kierkegaard vereinigt sich mit seiner fortgeschrittenen Vaterstadt

Kierkegard, wegen seiner heruntergekommenen Hosen bekannt, saß auf einer Bank vor seinem Haus,

wie immer zum Gespött der Kinder und der heranwachsenden Jugend, wie immer zum warnenden Beispiel

für die bereits weiter vorangekommenen Älteren.

Wie immer blieben die Spazierenden vor ihm stehen, die Jungen lachten, die Älteren verloren ein paar vorteilhafte Worte über die Pflicht und die Klugheit der Sitte, und beschimpften die Unübersichtlichkeit der Welt.

Wie so oft hielt Kierkegard seine Augen gesenkt, die Umstehenden dachten aus Scham, und nur er selbst wußte

wie recht sie damit hatten.

Eines Tages, als sie wieder vor seiner Bank haltmachten, kam Kierkegard die Idee sein Wissen mit den Vermutungen der Spaziergänger zu vereinigen. Er hob seinen Blick zuerst zu den Kindern die aufhörten zu lachen, dann zu den Älteren die verstummten. Zum ersten mal mischte er sich direkt in das Geschäft der Leute.

Irritiert von der ungezwungenen Gleichgültigkeit des Flegels waren die Spaziergänger einen Moment lang gezwungen ihre Augen vor fehlerhaften Hosen niederzuschlagen, und Kierkegards Vereinigung mit ihnen gegen ihren Willen gutzuheißen.

Derart gestärkt bewunderte Kierkegard für eine kurze Sekunde ihren Vorsprung in Hosen um sich dann wieder anderen Dingen zuzuwenden.

 

Abschied an einem Sonnentage

Es war mit uns, würden sie sagen,

und ihre Augen aus den alten Wegen nehmen,

die eigene Stimme hören,

das eigene Gesicht sehen,

allein sein.

 

Gestern

 Wenn die, die vielleicht auf einer Erde lagen,

wieder getrennt auf Ihrer Erde liegen,

wirft ein sehnsüchtiger Himmel,

vielleicht und manchmal,

einen Schleier über etwas Fortgegangenes.

Ein Jetzt fällt herab,

und sie denken sich zurückzuwünschen.

Wenn und Aber tropfen an die Fensterscheiben,

aber die einfältige Schwermut,

zelebriert den Ort

den es nie geben kann.

Ziehe fort, träumender Körper!

 

Dreierbob

Ich sitze mit zwei Männern im Dreierbob.

Vor mir ein Mann, hinter mir ein Mann.

Ich zwischen Beiden.

Mein Name ist Frau, Vorder- und Hinterfrau.

Frau, Frau, Frau,

fahren, fahren, fahren,

schneller, schneller, schneller.

Wir müssen schnell fahren.

Draußen ist es kalt.

Wenn wir schnell fahren,

können wir unsere Füße wärmen.

An den Kufen, die sich erhitzen.

Warme Füße sind sehr wichtig.

Sind Füße warm,

friert

auch der Rest nicht.

Wer warme Füße hat,

hat auch ein warmes Herz.

Wir fahren sehr schnell,

unsere Füße glühen.

Wer glühende Füße hat,

hat glühende Augen.

Meine Augen brennen in Männerrücken.

Eiskrusten fallen von Männerschultern,

Schultern strecken sich

in empfangene Blicksonnen.

Wir fahren die lange Gerade.

Wärme kitzelt meinen Rücken.

Blicksonnenfang.

Meine Brüste sind kalt,

stechender Schmerz.

Jetzt kommt die Kurve,

die letzte vor dem Ziel.

Brüste werfen sich in Rückenwärme,

Rücken spürt fremde Brust.

Kufen erhitzen sich, glühen Brust Rücken Füße.

Halt.

Blicksonnenfahrer,

meine Augen in weitem Weiß.

Welch wunderschöne Landschaften vorüberziehn.

 

-geht die straße entlang / hat keine augen / keinen hunger / keine angst /-

-liegt im bett/hat hunger / angst zu haben nichts zu sehen/-

-geht blind die Straße entlang / hat angst/hunger zu haben ohne gehör/-

-liegt im bett / hat angst-

 

Liebeszüge

 In unserer Nacht finden wir uns

öffnen unsere Wärme

bewegen unser Einander.

 

Morgen dringt in unsere Gedanken.

Jetzt sind wir verloren.

Hilfesuchend pressen wir

unsere Ungetüme.

 

Wir wenden uns ab

kalt und frohgemut.

Beliegen uns stumm.

 

IMMER

Jetzt ist IMMER eine andere Welt,

Fenster schaukeln hell,

ehe dein Wort sie in Vielecke legt,

die stürzend zur Mitte der Straße fallen.

Hinter Samtvorhängen, oben,

lagert der Duft von Staub,

Dinge strömen,

von deiner Entschlossenheit erfaßt,

sich selbst entgegen.

Wie tote Puppen umgeben sich

Gesichter mit Mimik,

und ihre Haltungen äffen

ihre Besitzer nach.

Sie vergessen wem sie gehören

und wer sie sind.

 

Der leichte Atem

Über dem Schatten des Wahns

funktioniert die Kontrolle leicht,

mit künstlichen Atemgeräten.

Tabaksonne brennt Dir Löcher in Lungenflügel,

Dein Herz schlägt

und Feuer fließt in Deinen Adern.

Es ist ratsam langsam zu sterben.

Hole Dir von den Toten Erde,

um nicht zu ersticken,

Abwesenheit,

und lebe auch

in der oberen Hälfte des Kehlkopfes.

 

Klar und kalt

Staub wegtrinken

aus großen Tassen

trinken

in großen Schlucken.

In die Nacht glotzen

Mond suchen

Mond anschauen

bellen

wie ein Hund.

Wegtrinken

aus Tassen

Staub wegtrinken

wie ein Hund

glotzen.

Wegtrinken.

In die Liebe glotzen

Staub

wegtrinken

die Liebe anglotzen.

Mond haben.

Mond anglotzen.

Staub anglotzen.

Nicht wegtrinken.

Glücklich starren.

 

Abschied heißt gestern

Herbst

Du bist

mein Feind

Lichträuber

krächzende Vögel

zwischen Ästen.

Im Spiegel

steht ein Schatten

murmelt Beschwörungsformeln

damit ich

der nicht schlafen will

wieder erwachen kann.

Über mir treibt Stille

durch geschlossene Gärten

eine Sekunde im Gehen

und Zeit

fällt in den Regen.

 

Liebe im Frühling

Der Geruch des Mannes klebte an Klaras Fingerspitzen, schön roch der Frühling, er lag zu nah bei ihr, aber Klaras Mund war weich, der Morgen kühlte, sie hatte glatte Haut, der Spiegel wird wissen wie sie aussehen könnte, sie stand leise auf und zog ihr helles Kleid über. Der Mann schlief, es war noch Zeit, er hatte eine Frau und Klara wußte über ihn wie er aufstand. Klaras Mund war vererbt, gierig besitzen die Menschen was auffällig macht, aber sie war Luft, sie ließ alle durch die zu ihr kamen, keiner zählt den Staub der in die Grube fällt und sie wurde nicht jünger mit der Zeit. Ein Idiot hatte sie aufgeblättert, sie hatte es ihm angesehen, manche beobachten lange und warten, aber die warten nicht. Sie war glücklich, sie wollte sich heute nicht waschen. Bedächtig begann sie den Tisch zu decken, gestern war ja auch schon ein Tag, wie gestellt gruppierte sie Tassen und Gläser, sie wußte schon welchen Platz er besetzen würde, danach ging sie unter die Dusche und vermischte sich mit dem Geruch des Wassers. Der Mann schlief noch, es würde bestimmt bald Mittag und Klara legte sich nackt über die Dielen. Der Mann atmete flach, er flog auf einem ausgebreiteten Kissen durch die Arme einer ausgebreiteten Frau, die Frau errötete vor Überraschung, Klara stand vorsichtig auf, sie zog ihr helles Kleid über, wie zufällig klapperten die Tassen als sie Kaffee eingoß. In der Ecke stand das Ticken des Weckers, unendlich langsam verschoben sich die Zeiger, sie zeigten gerade nach acht, Klara roch den Geruch des Frühlings. Klara war glücklich. Klaras Kleid war mehr gelb als hell, vorsichtig schlich sie über die Dielen. Sie ging auf den Balkon zu den Blumen. Unruhig zuckte ihr Herz, vielleicht war sie ja nicht im Zimmer wenn er dann erwachte, konzentriert bewässerte sie die Blumenkästen.

Sie begann wieder zu schwitzen, ging zurück ins Zimmer und zog sich aus. Er hatte wie die meisten behaarte Beine, wenn er sie nicht anschauen könnte, müßte sie das Kleid wieder überziehen. Sie roch nach Frühling. Der Kaffee war lauwarm, sie setzte sich nackt an den Tisch und begann zu essen.

Sie tauchte ihr Brötchen in den Kaffee, es war jetzt noch mehr Zeit, der Mann schlief wie ein Dackel in einem fetten Körper. Sie war immer noch glücklich, obwohl der Mann nicht erwachen wollte. Trotzdem zog sie ihr Kleid wieder an. Im Korridor wartete ein Spiegel, zehn Minuten nach neun, sie hatte Kraft in den Beinen. Der Geruch des Mannes war noch bei ihr, sie hatte sich ohne Seife gewaschen. Neugierig verließ sie das Zimmer, sie brauchte noch keine Ausgangstür. Die Träger ihres Kleides spannten über den Schultern, sie war breiter geworden, aber ihre Brüste waren fest. Klara ließ das Kleid unter den Spiegel fallen. Sie ging zurück ins Zimmer. Vorsichtig schob sie sich auf die Schlafmatte, sie konnte hören wie er atmete. Er stank nach Schnaps. Sie kauerte sich neben ihn, sie wollte sein Gesicht sehen, wenn er erwachte. Seine Beine krochen fett in ihre Richtung, ihr Herz schlug, sie roch ihren Achselschweiß. Millimeter schob sie sich an ihn heran, er schlief. Klara schaute zum Frühstückstisch, morgen würde die Frau wiederkommen. Sie zog sich nicht wieder an, sie ging unter die Dusche, und wusch sich den Geruch des Mannes aus ihrem Körper. Sie nahm ihr Kleid und ging zurück ins Zimmer. Sie faßte nach ihren Haaren. Sie mußte lachen, der Mann lag wie ein aufgedunsenes Baby, sie stieß gegen den Tisch daß die Tassen klirrten. Sie zündete eine Kerze an, dann ging sie zum Bett und trat mit voller Wucht in diese ungeschützte Lache seines Bauches. Der Mann atmete noch, er krümmte sich, er drückte sein Gesicht in das Kissen. Klara riß ein Regalbrett von der Wand, Gläser klirrten über die Dielen. Klara war jung und schön, sie warf sich auf ein strampelndes Polster, ihr Herz raste, ihre Fäuste trommelten über seinen nachgiebigen Rücken. Zum erstenmal küßte sie ihn, sie zog ihn an den Haaren zu sich herum, glücklich sah sie in seine irren Augen. Der Mann öffnete den Mund, er verzog sich in ein jämmerliches Grinsen, er sagte bitte, er hatte schmutzige Zähne. Sie wollte ihm nichts tun, er hatte eine Frau, morgen würde sie wiederkommen. Der Mund des Mannes weinte, Klara zog ihn nochmal an den Haaren, der Mann begann zu sabbern. Klara küßte ihn, der Mann sabberte in ihren Mund, er schmeckte alt. Klaras Zunge lutschte in einem alten Gemäuer. Er schmeckte nach Tabak, kühlen Schleim zog sie in ihre Mundwinkel. Der Kopf des Mannes stürzte auf den Dielenboden, er lachte. Und wieder küßte sie den Mann, Klara hatte die Gläser gut plaziert, er packte sie an den Haaren und rollte sie in die Scherbenreste. Klara schwitzte, er schlug sie mit der flachen Hand, seine fetten Arme zitterten. Klara war glücklich, sie weinte. Der Mann legte sich über sie, dann zerrte er sie zum Bett, er zog einen Splitter aus seinem Handballen. Klara weinte, sie liebte ihn, ihr Herz schlug wieder langsamer. Sie lag still, über ihr hockte der fliegende Mann. Sein Gesicht stand schräg, es verzerrte ihm den Mund, sie sah ängstliche Augen. Er versuchte Platz zu gewinnen, er schob sie ein Stück auf der Matratze nach oben, sie spürte die Splitter in ihrem Rücken. Klara hatte einen Schleier hinter der Stirn. Der Mann schob sie noch weiter nach oben, Klara lag still, er berührte abschätzig ihre Oberschenkel. Es verzog ihr den Mund, der Mann lachte. Sie lag still, es dauerte nicht mehr lange, er hatte ein fettes Grinsen. Er legte ihr ein Kissen unter, es war zwanzig vor zehn, in den Schultern hatte sie keine Schmerzen. Der Wecker tickte, bis er fertig wurde. In den Ecken lag Staub, die Frau hatte lange nicht saubergemacht. Der Mann rückte immer noch am Kissen herum, ihm gelang es nicht, an sie heranzukommen. Er wirkte unbeholfen, er wurde jünger als sie. Der Mann schwitzte, er hatte eine hohe Stimme, Klara lag fett im Bett, sie hatte keine Kraft mehr sich umzudrehen. Er klammerte sich an ihren Hals, sie kehrte ihm den Rücken zu, der Mann weinte. Ihr Rücken schmerzte, sie war glücklich. Sie stand auf, der Kaffee war jetzt kalt, ihr Kleid lag vor dem Tisch auf dem Boden. Es war noch Zeit, sie pustete die Kerze aus, der Mann mußte heute nicht aus dem Haus. Klara legte sich hin, ihr fielen die Augen zu.